Wie sich freie Tage länger und erholsamer anfühlen
Gesundheitstipps
Warum verfliegen freie Tage gefühlt oft so schnell – und wie können sie sich im Rückblick länger, erfüllter und erholsamer anfühlen? Erfahren Sie, was Sie bewußt anders tun können, um echten Abstand vom Alltag zu gewinnen und sich nachhaltige Erholung und Erinnerungen zu schaffen.

Also, ich freue mich, dass nun endlich die lang ersehnte Urlaubs‑ und Ferienzeit beginnt. Zumindest für die Kinder sind diese Wochen das Highlight des Jahres. Und für die meisten Erwachsenen sind auch froh, dem Alltag und den Pflichten zu entkommen. Endlich mal mehr Zeit zum Ausschlafen, Durchatmen, Zusammensein, Reisen oder einfach mal fürs Nichtstun.
Doch kaum, dass wir die Unbeschwertheit genießen, vergehen die freien Tage wie im Flug. Kommt Ihnen das bekannt vor? Wie lässt sich die Zeit länger und erholsamer gestalten und anfühlen?
Zum Glück lässt sich unser Zeitempfinden beeinflussen. Mit bewußter Planung können wir mitentscheiden, wie erholsam und erfüllt es sich am Abend und im Rückblick anfühlt. Unser Gehirn misst Zeit nicht so linear wie eine Uhr. Im Rückblick erscheint eine Zeitspanne länger, wenn wir neue, klar voneinander unterscheidbare Erfahrungen gemacht haben.
Ein Wochenende, an dem alles ähnlich abläuft – aufstehen, Haushalt, Bildschirmzeit, Einkaufen, schlafen gehen – hinterlässt im Gedächtnis vergleichsweise wenige Spuren. Rückblickend kann es sich dann so anfühlen als wäre es viel kürzer als 2 volle Tage gewesen. Dagegen hat ein Wochenende mit einem Picknick am See, einem Ausflug in fremde Gefilde oder einem Treffen mit interessanten Gesprächen mehr erinnerbare Momente. Das Gehirn speichert diese wie einzelne Kapitel ab und dadurch wirkt die Zeit im Nachhinein erfüllter und länger.
Wenn wir etwas zum ersten Mal erleben, dann ist unser Gehirn besonders aufmerksam. Wir verabeiten neue Orte, fremde Gerüche, unbekannte Wege, unerwartete Begegnungen oder ungewohnte Tätigkeiten stärker und so wird dies besser im Gedächtnis verankert. Aber Ferien zu Hause können sich auch „neu und besonders“ anfühlen. Neuheit muss weder teuer noch spektakulär sein.
Mehr herausholen aus der freien Zeit
Die folgenden sechs Zutaten stammen aus dem sogenannten DRAMMA-Modell der Forschenden Megan Newman, Louis Tay und Ed Diener. [1]
Es fasst Erkenntnisse aus vieler Studien zusammen und beschreibt sechs wichtige Erholungserfahrungen: mentale Distanz zum Alltag, Entspannung, Selbstbestimmung, das Erleben von Kompetenz, Sinn und Verbundenheit.
Abstand = Pause vom Alltag
Entscheidend ist, dass wir Abstand zu dem gewinnen, was wir aus unserem Alltag kennen. Mit Abstand ist nicht unbedingt räumlicher Abstand gemeint. Verreisen ist zwar meistens sehr schön - nötig für echte Erholung ist es aber nicht. Auch Ferien zu Hause können erholsam sein, wenn Arbeit, Haushaltsdruck und ständige Erreichbarkeit für eine Weile bewusst und geplant in den Hintergrund treten. Wenn die eigene Abgrenzung zum Alltag gelingt, kann der Urlaub daheim oder ein Kurzurlaub ebenso erholsam sein wie eine längere Reise.
Wenn freie Tage jedoch ähnlich ablaufen wie der normale Alltag – viel Organisieren, Nachrichten beantworten, putzen, einkaufen, nebenher arbeiten oder gedankenlos durch Medien scrollen – entstehen weniger erinnerungswürdige „Kapitel“.
Das heißt nicht, dass jeder freie Tag zu einem besonderen Ereignis werden muss. Aber es lohnt sich, den Autopiloten hin und wieder bewusst zu unterbrechen.
So könnten in den Ferien daheim einzelne Tage so gestaltet werden, als wäre man verreist:
- den Haushalt auf das Notwendigste reduzieren (wie in einer Ferienwohnung),
- auswärts frühstücken
- im Garten zelten oder auf dem Balkon schlafen mit Sternenhimmel beobachten und Sternschnuppen zählen
- ein Tag am See mit ausgiebigem Picknick oder Grillen
- eine Stadtführung in Rosenheim oder einem anderen Ort in der Nähe
- die kostenfreien Open Air Angebote in der Gegend nutzen und mit Picknick verbinden, z.B. Kultur im Park in Bad Aibling
Entspannung und Erholung
Viele Menschen verbinden Urlaub vor allem mit Entspannung. Und natürlich ist sie wichtig: Das Nervensystem darf den Leistungs- und Anspannungsmodus endlich mal verlassen.
Erholung bedeutet jedoch nicht für alle dasselbe. Manche tanken beim Lesen im Liegestuhl auf, andere beim Wandern oder Sport, bei kreativem Tun oder durch ein gutes Gespräch.
Wichtig ist:
- Nicht jeder Tag muss voll ausgenutzt werden. Freie Zeit ist kein Leistungsauftrag.
- Ein Programmpunkt pro Tag reicht völlig.
- Etwas tun, das den eigenen Körper spürbar zur Ruhe bringt: schlafen, lesen, schwimmen, in der Natur sein, Yoga machen, Musik hören, einen Mittagsschlaf in der Hängematte halten oder einfach nichts tun.
- Zeiten ohne Familie einplanen, wenn dies möglich ist. Erholung braucht manchmal Nähe – und manchmal Raum für sich selbst.
- Auch Kinder brauchen unverplante Zeit. Sie dürfen sich übrigens auch mal langweilen. Oft entsteht gerade daraus eigene Ideen, Fantasie und Spiel. Langeweile ist kein Fehler im Ferienprogramm.
Selbstbestimmung
Der Alltag vieler Menschen ist vollgepackt mit Vorgaben und "tun müssen": Arbeitszeiten, Schulstunden, jede Menge Termine und Verpflichtungen. Erholung entsteht auch dadurch, selbst über die Zeitplanung entscheiden zu können: Was brauche ich heute? Was tut mir gut? Was macht mir Freude?
Natürlich sollten dann alle ihre Wünsche und Bedürfnisse offen aussprechen dürfen: Eine oder einer möchte vielleicht aktiv sein, die andere Person braucht Ruhe. Beides darf nebeneinander Platz haben.
Kinder möchten oft Regeln oder Grenzen aus dem Schulalltag aufweichen oder auflösen. Auch hier gilt es, die Bedürfnisse aller wahrzunehmen und möglichst fair zu berücksichtigen.
Etwas neues wagen und Kompetenz erleben
Neben Entspannung braucht unser Gehirn auch neue Eindrücke durch die Meisterung von Herausforderungen. Diese Mischung ist besonders wertvoll: Ruhe reguliert und stärkt uns; Neue Erfahrungen machen wach und schaffen Erinnerungen, die sogar noch unser Selbstbewußtsein pflegen: Ich habe etwas Neues gewagt und gemeistert. Das müssen keine spektakulären Grenzerfahrungen sein. Die Herausforderung sollten zwar neu, aber auf jeden Fall zu bewältigen sein. Zum Beispiel:
- Ausflüge mit sportlichem Charakter: Bouldern, längere Radtour mit Übernachten, ein Kurs im Segeln, Stand-up-Paddling oder Surfen. Oder auch eine längere Bergtour mit Hüttenübernachtung.
- Unternehmungen mit Abenteuercharakter: organisierte Erlebnistage im Wald / in der Wildnis (z.B. Wildnisschule Chiemgau), Klettern lernen oder einen Klettersteig gehen.
- zuhause eine Slackline aufhängen und das Balancieren üben
- ein Hochbeet zimmern und anlegen
- das eigene Fahrrad warten: lernen wie Räderausbau und Schlauchflicken funktioniert. Gang und Bremsen selber nachstellen. Welche Teile müssen auf welche Weise gepflegt werden? Wenn kein erfahrener Erwachsener zur Seite steht: YouTube weiss alles ....
- Kreative Tätigkeiten: ein Insektenhotel oder Vogelhaus bauen, ein Theaterstück proben und mit selbst gebauter Kulisse aufführen, die Wohnung neu malern, alte Möbelstücke aufarbeiten, ein Ferien-Erinnerungsbuch mit Umschlag und Seiten selber binden. Ebenso eignen sich Töpfer- und Bastelprojekte, die etwas umfangreicher sind und länger dauern. Das macht besonders viel Spaß mit professioneller Unterstützung und Gerätschaften.
Solche Erlebnisse oder Werkstücke hinterlassen nicht nur Erinnerungen. Sie stärken auch das Selbstvertrauen: Ich habe etwas Besonderes getan oder gelernt, ich habe etwas geschafft.
Bedeutsame Momente: Was soll von diesen Ferien bleiben?
Oft erinnern wir uns später an scheinbar unspektakuläre Situationen: an ein langes Frühstück, ein Gespräch auf einer Bank, das Eis in einer kleinen Gasse, einen unerwarteten Regenschauer, der alle abgeduscht hat, die Muscheln am Strand oder das Kartenspiel und Lachen am Abend.
Statt dauernd das Handy für Fotos zu zücken, können Erinnerungen auch anders festgehalten werden: durch ein FerienErinnerungGlas für Zettel und andere Kleinigkeiten, mit einem gemeinsamen Foto pro Tag, mit einer UrlaubsCollage fürs Wohnzimmer oder durch ein verbindendes Abendritual: Jede Person erzählt eine Sache, die heute schön, lustig, neu oder mutig war. Und es ist so spannend, weil es jeder etwas anders empfunden hat. So entstehen auch gleich Zettel fürs Erinnerungsglas.
Wenn wir Erlebnisse kurz würdigen und teilen, bekommen sie mehr Bedeutung. Das hilft auch dem Gedächtnis, sie als besondere Momente abzuspeichern.
Verbundenheit
Familien- oder Paarzeit wird nicht dadurch wertvoll, dass wir ununterbrochen zusammen sind. Verbundenheit entsteht durch echte Begegnung und Präsenz: durch Zuhören, gemeinsames Lachen, kleine Rituale und die Erfahrung, miteinander sicher zu sein und gesehen zu werden.
Das Ziel ist nicht, aus den Ferien eine To-do-Liste voller besonderer Erlebnisse zu machen. Zu viele Pläne erzeugen Freizeitstress.
Meine Tipps:
- Kleine Einzel-Zeiten planen: ein Spaziergang oder Ausflug mit nur einem Kind, ein Eis zu zweit, gemeinsam lesen oder ein Hörbuch anhören.
- Nicht jede Meinungsverschiedenheit im Urlaub muss sofort gelöst werden. Ferien sind keine konfliktfreie Zone, aber nun kann der richtige Zeitpunkt zur Klärung in Ruhe abgewartet werden.
- Den Anspruch loslassen, dass alle dauerhaft gut gelaunt sein müssen. Auch Müdigkeit, Streit oder Rückzug gehören zu echtem, lebendigem Familienleben.
Mit ein paar bewusst gesetzten Ankern kann eine Ferienzeit nicht nur erholsamer werden - sie fühlt sich im Rückblick auch länger an.
Nun wünsche ich Groß und Klein eine ganz schöne und lebendige freie Zeit - und danach ein gesundes und erholtes Zurückkommen in den Alltag.
Wenn Abschalten schwerfällt
Manchen Menschen gelingt es trotz freier Zeit und Urlaub kaum, richtig runterzufahren und zur Ruhe zu kommen. Das Gedankenkarussell dreht sich weiter, die innere Anspannung bleibt bestehen.
Belastende Erinnerungen drängen sich gerne gerade dann auf, wenn der äußere Alltag leiser wird.
Einige Menschen werden regelmäßig zu Beginn des Urlaubs krank oder bekommen heftige Kopfschmerzen.
Das alles ist meistens ein Hinweis darauf, dass Körper und Psyche schon lange zu viel tragen und zu wenig entspannen.
In meiner Praxis begleite ich Menschen mit Hypnosetherapie, Stressanalyse und Traumatherapie dabei, ihren Druck und Überforderung besser zu verstehen, das Nervensystem zu regulieren und wieder mehr innere Sicherheit, Ruhe und Lebendigkeit zu entwickeln
Tiefe Erholung entsteht auch dort, wo wir uns selbst wieder näherkommen, unsere Bedürfnisse wahrnehmen, ernst nehmen und gut für uns sorgen.
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[1] In Anlehnung an das DRAMMA-Modell nach Newman, Tay und Diener (2014), deutsch zusammengefasst im Working Paper „Die schönste Zeit des Jahres?“ des Deutschen Instituts für Tourismusforschung (Bellmann et al., 2024).

Ich bin Iris Naumann, Heilpraktikerin seit 2004 und begleite Sie mit Herz, Fachwissen und all meiner Erfahrung auf Ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Klarheit und innerer Freiheit.














