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Neurotransmitter – kleine Botenstoffe mit großer Wirkung

Heilpraktiker Praxis Rosenheim

Wussten Sie, dass Ihre Stimmung, Ihre Motivation und sogar Ihr Schlaf ganz wesentlich von winzigen chemischen Botenstoffen beeinflusst werden?

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Wussten Sie, dass Ihre Stimmung, Ihre Motivation und sogar Ihr Schlaf ganz wesentlich von winzigen chemischen Botenstoffen beeinflusst werden? Diese sogenannten Neurotransmitter sind in Ihrem Körper rund um die Uhr aktiv – ganz gleich, ob Sie wach sind oder schlafen, denken oder träumen, lieben oder leiden.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum diese Stoffe so wichtig sind, wie sie wirken, wo sie gebildet werden – und welche Rolle Ihr Darm dabei spielt.

Neurotransmitter oder Hormone – was ist der Unterschied?

Oft werden Neurotransmitter und Hormone in einem Atemzug genannt – dabei erfüllen sie unterschiedliche Aufgaben im Körper, auch wenn es einige Überschneidungen gibt.

Neurotransmitter wirken in der Regel sehr schnell und gezielt im Nervensystem. Sie werden von Nervenzellen freigesetzt, um Informationen direkt an benachbarte Zellen weiterzuleiten – über den sogenannten synaptischen Spalt. Die Wirkung ist lokal begrenzt und tritt innerhalb von Millisekunden ein. Man kann sich Neurotransmitter als Punkt-zu-Punkt-Kommunikation vorstellen – ähnlich wie bei einem Gespräch zwischen zwei Personen.

Hormone hingegen wirken über das Blut und damit systemisch im gesamten Körper. Sie werden von spezialisierten Drüsen (z. B. Schilddrüse, Nebennieren, Bauchspeicheldrüse) ins Blut abgegeben und erreichen so Zellen in verschiedenen Organen. Ihre Wirkung ist langsamer, hält dafür aber länger an. Hormone sind wie Rundfunk-Signale, die eine breite Zielgruppe erreichen.

Interessanterweise gibt es einige chemische Botenstoffe, die beides sein können – je nachdem, wo und wie sie wirken. Ein gutes Beispiel ist Adrenalin: Im Gehirn gilt es als Neurotransmitter, im Körper als Hormon, das z. B. den Blutdruck steigert und den Körper auf Stress vorbereitet.

Die klare Unterscheidung ist also nicht immer möglich – entscheidend ist der Ort der Freisetzung und der Weg, über den die Wirkung vermittelt wird. Diese feinen Unterschiede sind wichtig zu verstehen, wenn wir nachvollziehen wollen, wie unsere innere Kommunikation funktioniert – und wie empfindlich sie auf Störungen reagiert, etwa durch chronischen Stress, Schlafmangel oder Ernährung.

Was sind Neurotransmitter?

Neurotransmitter sind chemische Substanzen, die Informationen zwischen Nervenzellen weitergeben.

Stellen Sie sich das Gehirn wie ein gigantisches Telefonnetz vor: Die einzelnen Nervenzellen (Neuronen) sind die Teilnehmer, und die Neurotransmitter sind die Telefonleitungen. Immer wenn eine Zelle mit einer anderen kommunizieren will, werden Neurotransmitter freigesetzt – blitzschnell und hochpräzise.

Sie steuern dabei nicht nur unsere Gedanken und Gefühle, sondern auch Herzschlag, Verdauung, Atmung, Muskelbewegungen und viele hormonelle Prozesse.

Die wichtigsten Neurotransmitter und wie sie wirken:

1. Serotonin – der Stimmungsaufheller:

Serotonin ist wahrscheinlich der bekannteste Neurotransmitter. Er wird oft als „Glückshormon“ bezeichnet – auch wenn er streng genommen kein Hormon, sondern ein Neurotransmitter ist.

  • Wirkung:
    Serotonin reguliert unsere Stimmung, unseren Schlaf, den Appetit, die Verdauung und sogar die Schmerzempfindung.
  • Zu wenig:
    Bei einem Mangel fühlen wir uns niedergeschlagen, ängstlich, gereizt oder antriebslos. Auch Schlafprobleme und Heißhunger auf Süßes (Schokolade fördert durch bestimmte Inhaltsstoffe die Serotonin-Bildung 😉) können auftreten.
  • Zu viel:
    Ein Übermaß ist selten, kann aber in bestimmten Fällen (z.B. durch Medikamente oder Nahrungsergänzungen wie 5-HTP, L-Tryptophan) zu einem sogenannten Serotonin-Syndrom führen: Zittern, Unruhe, Fieber, Verwirrtheit. Bei Einnahme von Antidepressiva, die als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer = SSRI wirken, bitte keine Nahrungsergänzungen einnehmen, die die Serotonin-Bildung fördern.
  • Alltagsbeispiel:
    Nach einem langen Spaziergang an der frischen Luft spüren wir innere Ruhe und Zufriedenheit. Kein Wunder – Bewegung und Sonnenlicht fördern die Serotonin-Bildung.

2. Dopamin – der Motivator

Dopamin ist unser körpereigener „Belohnungs-Botenstoff“. Er sorgt dafür, dass wir uns auf Ziele fokussieren, motiviert handeln und Freude empfinden.

  • Wirkung:
    Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei Antrieb, Konzentration, Lernen und Belohnung.
  • Zu wenig:
    Typisch sind Antriebslosigkeit, fehlende Motivation, Müdigkeit, Vergesslichkeit – im Extremfall auch depressive Verstimmungen oder Parkinson-Symptome.
  • Zu viel:
    Ein chronisch überhöhter Dopaminspiegel wird mit Süchten (z.B. Drogen, Glücksspiel, Social Media) und manischen Zuständen in Verbindung gebracht.
  • Alltagsbeispiel:
    Sie erledigen eine Aufgabe, die Sie sich lange vorgenommen haben – und fühlen sich plötzlich euphorisch und energiegeladen. Das ist Dopamin in Aktion.

3. Noradrenalin – der Wachmacher

Noradrenalin (auch Norepinephrin genannt) ist vor allem bei Stressreaktionen aktiv. Es macht uns wach, aufmerksam – und bereit zu handeln.

  • Wirkung:
    Es regt Herzschlag und Kreislauf an, erhöht die Aufmerksamkeit und aktiviert den Körper in Gefahrensituationen.
  • Zu wenig:
    Wir fühlen sich schlapp, müde, geistig träge oder antriebslos.
  • Zu viel:
    Dauerstress mit erhöhtem Noradrenalinspiegel kann zu Bluthochdruck, Schlafproblemen und Angstzuständen führen.
  • Alltagsbeispiel:
    Sie hören nachts ein lautes Geräusch – und sind schlagartig hellwach. Ihr Herz schlägt schneller, die Sinne sind geschärft: Das ist Noradrenalin.

4. Acetylcholin – der Denker

Acetylcholin ist maßgeblich an Gedächtnisprozessen und Muskelbewegungen beteiligt.

  • Wirkung:
    Es sorgt für geistige Wachheit, Lernfähigkeit, Muskelkontraktionen und eine gesunde Reizweiterleitung.
  • Zu wenig:
    Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Muskelschwäche – bei Alzheimer wird ein besonders niedriger Acetylcholinspiegel beobachtet.
  • Zu viel:
    Ein Übermaß kann zu Muskelkrämpfen und erhöhter Reizbarkeit führen.
  • Alltagsbeispiel:
    Sie lernen eine neue Sprache oder lösen ein kniffliges Sudoku – und stärken dabei Ihre Acetylcholinproduktion.

5. GABA – der innere Ruhepol

GABA steht für Gamma-Aminobuttersäure. Es ist ein hemmender Neurotransmitter – quasi das natürliche Beruhigungsmittel unseres Nervensystems.

  • Wirkung:
    GABA reduziert übermäßige neuronale Aktivität und wirkt angstlösend, entspannend und schlaffördernd.
  • Zu wenig:
    Unruhe, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Ängste können die Folge sein.
  • Zu viel:
    Überdosierungen durch Medikamente (z.B. Benzodiazepine) können zu Schläfrigkeit oder Bewegungsstörungen führen.
  • Alltagsbeispiel:
    Nach einer Yoga- oder Meditationsstunde fühlen wir uns tiefenentspannt – unser Körper hat GABA aktiviert.

6. Endorphine – die natürlichen Schmerzstiller

Endorphine werden vor allem bei Schmerz, Stress oder starker körperlicher Aktivität ausgeschüttet.

  • Wirkung:
    Sie lindern Schmerzen, lösen Euphorie aus und verbessern die Stressresistenz.
  • Zu wenig:
    Geringere Belastbarkeit, emotionale Erschöpfung, erhöhte Schmerzempfindlichkeit.
  • Zu viel:
    Übermäßige Euphorie bei Extremsport oder Suchtverhalten möglich – langfristig kann sich eine „Abhängigkeit“ entwickeln.
  • Alltagsbeispiel:
    Nach einem langen Lauf spüren Sie den berühmten „Runner’s High“ – ein Endorphinrausch, der Glück und Schmerzfreiheit vereint.

Der Darm – das zweite Gehirn

Vielleicht überrascht Sie das: Über 90% des körpereigenen Serotonins wird im Darm gebildet – nicht im Gehirn! Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem, das sogenannte enterische Nervensystem (ENS), das mehr Neuronen enthält als das Rückenmark. Dieses „Bauchhirn“ kommuniziert intensiv mit dem Gehirn – über den Vagusnerv, über Immunzellen und vor allem über Neurotransmitter.

Eine gesunde Darmflora (Mikrobiom) unterstützt die Bildung und Regulation dieser Botenstoffe. Umgekehrt kann eine gestörte Darmflora mit Depressionen, Ängsten, Schlafproblemen oder Konzentrationsstörungen in Verbindung stehen.

Stress, Zucker, Antibiotika oder stark verarbeitete Nahrungsmittel stören dieses Gleichgewicht. Deshalb ist es wichtig, den Darm bewusst zu pflegen.

Nahrung für Ihre Neurotransmitter

Bestimmte Neurotransmitter benötigen konkrete Nährstoffe als Bausteine oder Cofaktoren. Über die Ernährung lässt sich ihre Bildung gezielt unterstützen.

Serotonin

  • Wichtige Nährstoffe und Vorstufen:
    Tryptophan, Vitamin B6, Magnesium
  • Geeignete Lebensmittel sind: 
    Haferflocken, Bananen, Ananas, Kiwi, Tomaten, Nüsse, Linsen, Kakao, Sonnenblumenkerne, dunkle Schokolade, Parmesan, Eier und Vollkornprodukte. 

Dopamin

  • Wichtige Nährstoffe und Vorstufen:
    Tyrosin, Eisen, Kupfer
  • Geeignete Lebensmittel sind:
    Avocados, Mandeln, Sojabohnen, Hülsenfrüchte, Rote Beete und grünes Blattgemüse

Noradrenalin

  • Wichtige Nährstoffe und Vorstufen:
    Tyrosin, Vitamin C, Kupfer
  • Geeignete Lebensmittel sind:
    Paprika, Brokkoli, Beeren, Zitrusfrüchte und Mandeln

Acetylcholin

  • Wichtige Nährstoffe und Vorstufen:
    Cholin, Vitamin B1
  • Geeignete Lebensmittel sind:
    Eier, Leinsamen, Fisch, Fleisch, Blumenkohl und Brokkoli

GABA

  • Wichtige Nährstoffe und Vorstufen:
    Glutamin, Magnesium
  • Geeignete Lebensmittel sind:
    grünes Gemüse, Vollkornreis, Walnüsse sowie fermentierte Produkte wie Sauerkraut oder Kimchi

Endorphine

  • Fördernde Faktoren und Stoffe:
    Bewegung, Capsaicin, Kakao
  • Geeignet sind:
    Chili, dunkle Schokolade, körperliche Bewegung sowie Lachen

Wie weiter oben bereits erwähnt: Das ist eine Unterstützung der Botenstoffbildung, keine Garantie für messbare Neurotransmitteranstiege. Ohne ausreichende Verdauungs-, Leber- und Darmfunktion greifen diese Effekte nur begrenzt.

Liebevoll Heilen - Entwickeln - Befreien - Aufblühen

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Iris Naumann
Iris Naumann
Die Autorin
Iris Naumann

In ihrer Praxis in Rosenheim bietet Heilpraktikerin Iris Naumann einen geschützten Raum, in dem ihre Klienten individuell und achtsam unterstützt und begleitet werden.

Dabei kommen hauptsächlich bewährte Behandlungsmethoden wie Hypnose, Yager-Code, EMDR, EFT-basiertes Klopfen und systemisches Familienstellen zum Einsatz.

Wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit ist zudem die Vermittlung einfacher, aber wirkungsvoller Selbsthilfetechniken. Auch die Vermittlung von Grundlagen, wie Psyche - Körper sich wechselseitig beeinflussen, gehört hier dazu. Ein besonderes Anliegen von Iris Naumann ist die Unterstützung von Menschen, die ihre Selbstbestimmtheit und Selbstheilungskräfte stärken möchten und dafür Inspiration, Rat und praktische Impulse suchen, um sich Schritt für Schritt auf ihrem Weg weiter zu entfalten.  Ihr Lieblingsmotto lautet: „Entwickeln – Befreien – Aufblühen“.